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Klartext im OTV-Studio

vor 1 Tag
4 Min. Lesezeit

Es gibt Einladungen, bei denen man weiß: Das wird kein Wohlfühltermin. Als bei uns die Anfrage von Oberpfalz TV kam, ob wir in der Sendung „Hauptsache Sport" über die abgelaufene Saison sprechen wollen, war klar, worum es gehen würde. Nicht um Highlights. Nicht um Erfolge. Sondern um ein Jahr, das für die Amberg Mad Bulldogs so ziemlich alles war, nur nicht schön.

Wir haben trotzdem zugesagt. Oder besser: gerade deswegen.



Ein Jahr, das keiner nochmal braucht

Die erste Frage im Studio war gleich die, die sich aufdrängt: Wie war dieses Jahr eigentlich – und wie habt ihr das aufgearbeitet?

Die ehrliche Antwort ist: Es war eine unwahrscheinlich anstrengende Saison. Schon Wochen vor dem ersten Kickoff hatten wir in der Abteilungsleitung mehr zu tun, als man von außen je sehen konnte. Die Regionalliga war heuer eine besondere: drei Rückkehrer aus den GFL-Ligen, also aus der ersten und zweiten Bundesliga. Uns war von Anfang an klar, dass es eine harte Saison wird. Nur haben wir uns eben nicht so gut darauf einstellen können, wie wir das gebraucht hätten.

Dazu das Trainerbeben direkt nach dem ersten Spiel. Und dazu ein Stadion, das über die komplette Saison Baustelle war. Jeder Spieltag war eine eigene Herausforderung: Bagger, die zwei Tage vorher noch woanders standen. Linierungen, die nicht mehr gepasst haben, weil die Felder plötzlich andere Dimensionen hatten. Wir haben einen großen Teil unserer Energie darauf verwendet, überhaupt einen geordneten Spielbetrieb hinzubekommen.



Der Punkt, der wirklich weh tut

Moderator Alex Christl hat uns dann nichts geschenkt – und das war gut so. Sein Eindruck: Die Abteilung hat ein Stück ihrer DNA verloren. Früher war ein Heimspiel der Mad Bulldogs ein Event. Letztes Jahr hat er auf der Tribüne gesessen und sich, in seinen Worten, zu Tode gelangweilt.

Da kann man dagegenhalten. Wir haben es nicht getan, weil er recht hat.

Wir hatten in dieser Saison einen extrem hohen Anteil an Spielern, die nicht aus Amberg kommen. Nicht nur Pendler aus dem Umkreis, sondern eine ganze Gruppe Gastspieler eines Teams, das selbst nicht angetreten ist. Zehn, elf Mann auf einen Schlag – und bei allen von Anfang an klar, dass sie nach der Saison wieder weg sind. So eine Gruppe innerhalb eines Jahres wirklich zu integrieren, ist extrem schwer. Uns ist es nicht gut genug gelungen. Dazu kam über Jahre eine hohe Fluktuation gerade auf den Schlüsselpositionen. Und die Leute, die diese Abteilung vor zehn Jahren aufgebaut haben, die von Anfang an auf dem Platz standen, sind irgendwann weggebrochen. Mitte, Ende dreißig, irgendwann sagt man: Ich tu mir das nicht mehr an. Nachzurekrutieren ist jetzt unsere Aufgabe.




Der Abstieg ist keine Niederlage, sondern eine Entscheidung

Sportlich stand der Abstieg fest. Wir haben aber bewusst früh öffentlich gemacht, dass wir auch dann nicht in der Regionalliga bleiben, wenn sich am grünen Tisch nochmal eine Tür öffnen sollte.

Ist das ein Eingeständnis, dass die Regionalliga für Amberger Football zu groß ist? Im Moment ja – so, wie wir aufgestellt sind. Genau deshalb wollten wir von der ersten Minute an klar kommunizieren: Wir ziehen diese Karte nicht. Wir haben diesen Fehler schon zweimal gemacht und über eine Verwaltungsentscheidung eine Liga gespielt, die wir sportlich nicht erreicht hatten. Ein drittes Mal gibt es nicht. Wir nehmen die Chance, die uns der Schritt zurück in die Bayernliga gibt, und bauen neu auf.


Die, die für die Bulldogs stehen wie kein Zweiter

Der schönste Teil des Gesprächs war der über unseren Coachingstaff für 2027. Weil da Namen fallen, die für diese Abteilung stehen.

Die McGuire-Brüder Dominik und Timothy sind wieder dabei. John McBride hat uns schon im vergangenen Jahr stark unterstützt, gerade im Analytics-Bereich, und stand nach der Trennung von unserem Head Coach auch selbst mit auf dem Platz – seine Vita reicht vom College Football in den USA über GFL-Teams bis zu einem italienischen Team in der NFL Europe. Ili Dechant, der jahrelang für die Bulldogs stand wie kein Zweiter, hat sofort zugesagt, als er gehört hat, in welche Richtung wir das aufbauen wollen. Genauso Scott Feldmann, der jahrelang für uns gespielt hat. Bei keinem von ihnen ging es um die Frage, welchen Posten er bekommt. Sie wollten Teil dieser Geschichte werden. Das hat mich mehr gefreut als alles andere in diesem Jahr.

Und noch etwas: Beim letzten Coaches-Meeting kam von zwei neuen Coaches sofort das Angebot, dass auch ihre Frauen mit anpacken wollen. Genau diesen Push brauchen wir gerade. Eine Mannschaft, die sich hier zu Hause fühlt und als Freundesgruppe zusammenspielt. Football is Family ist bei uns kein Spruch fürs Trikot.



26. September: Komm einfach vorbei

Die letzte Frage war, ob der Football-Hype von damals noch groß genug ist, um aus Fans eine Mannschaft zu bauen.

Tryouts hatten wir immer. Neu ist, dass wir sie deutlich breiter streuen und den Einstieg massiv erleichtern. Wenn irgendwo „Regionalliga" und „harter American Football" draufsteht, ist die Hemmschwelle riesig. Genau die wollen wir wegnehmen. Wer Bock hat, Football zu spielen, ist bei uns willkommen. Punkt. Mit einem starken Rookie-Programm sorgen wir dafür, dass niemand ein Jahr lang an der Seitenlinie steht und nicht auf den Platz darf. Ausbilden müssen wir trotzdem – niemand geht unvorbereitet in einen Kontakt, das wäre fahrlässig. Aber der Weg ist offen.

Tryout für die Season 2027: Samstag, 26. September, ab 11 Uhr, Sportgelände des TV 1861 Amberg. Egal ob du schon mal bei uns gespielt hast, aus dem Fitnessstudio kommst oder einfach Fußball spielst und mal etwas anderes sehen willst: Komm vorbei, wir zeigen dir, wie das geht.



Danke an Oberpfalz TV für die ehrlichen Fragen und die Zeit. Zwölf Minuten, in denen nichts schöngeredet wurde – so kann man arbeiten.



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